Presse Folgeseite

14.10.2019

Gedenken an Reichspogromnacht in Schwäbisch Hall

Der Gedenkstern auf dem Haller Marktplatz hält die mahnende Erinnerung wach: Im Zuge der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten Schwäbisch Haller Nationalsozialisten die Synagoge in Steinbach in Brand. Sie verwüsteten den jüdischen Betsaal in der Oberen Herrngasse 8, demolierten jüdische Privatwohnungen und Geschäfte und misshandelten deren Bewohnerinnen und Bewohner. Inventar aus dem Betsaal sowie aus Wohnungen wurde in einem Feuer auf dem Marktplatz verbrannt - darunter auch die Bibliothek des Haller Rabbiners Dr. Jakob Berlinger.

Die Stadt Schwäbisch Hall, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Schwäbisch Hall und weitere Partner bieten auch in diesem Jahr wieder eine Veranstaltungsreihe,um das Gedenken an das unfassbare Geschehen wachzuhalten.Zehn Termine sind vom 19. Oktober bis 10. Februar geplant.Neben der zentralen Gedenkveranstaltung am 9. November auf dem Marktplatz gibt es Vorträge, Führungen und einen Dokumentarfilm.

Elke Däuber erkundet am 19. Oktober anhand der „Stolpersteine“ die Spuren früherer jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger.Lena Gorelik schildert in ihrem Buch „Mehr Schwarz als Lila“, das für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen lesenswert ist, eine Klassenfahrt nach Auschwitz.Die Autorin aus München liest am 23. Oktober im Kunstforum der Sparkasse und am folgenden Tag in der Waldorfschule. Die Vorstandsvorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg,Prof. Barbara Traub,hält am 24. Oktober einen Vortrag über „Jüdisches Leben in Deutschland heute“.

Zur zentralen Gedenkveranstaltung am 9. November um 17 Uhr sprechen Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen,der Leiter der Volkshochschule, Marcel Miara, sowie Leon Jacob Reinel, der seine Erfahrungen mit der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.“schildert. Aktion Sühnezeichen motiviert junge Menschen, sich für die Versöhnung und Völkerverständigung einzusetzen.

„Menschliches Versagen“ heißt der Dokumentarfilm, den Regisseur Michael Verhoeven am 9. November im Anschluss an die Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz persönlich im Kino im Schafstall vorstellt. Der Film gehtder Fragenach, wie und in welchem Ausmaß die deutsche Bevölkerung im Nationalsozialismus zum Profiteur der „Arisierung“ werden konnte.

Museumsleiter Dr. Armin Panter führt am Sonntag, 10. November durch die jüdische Abteilung im Hällisch-Fränkischen Mueum. „Beschlagnahmt, verkauft, versteigert“ heißt der Vortrag von Christine Bach am 27. November. Im Mittelpunkt steht das jüdische Kulturgut in Museen, Kunsthandel und Privathaushalten in Franken. Zum Abschluss der Reihe spricht am 10. Februar 2020 Dr. Michael Blume über den Antisemitismus in Kirche und Gesellschaft. Blume ist Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus.

Der Flyer mit allen Terminen ist erhältlich bei den beteiligten Einrichtungen:
Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Schwäbisch Hall, Ev. Kreisbildungswerk, Freilandmuseum, Hällisch-Fränkisches Museum, Historischer Verein für Württembergisch Franken, Kino im Schafstall,Kath. Erwachsenenbildung,Kulturbüro Stadt Schwäbisch Hall,Stadtarchiv, VHS und in der Tourist-Information.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen erhalten Sie hier.

Anlage: Erfahrungsbericht von Leon Jacob Reinel, ehemaliger Freiwilliger Aktion Sühnezeichen